Schillertswiesen


'Scillingeswisen' wurde zum ersten mal urkundlich im Jahre 1118 erwähnt. Bestehend aus mehreren Weilern und Ortsteilen, zählte der Ort damals zum Gebiet des grundherrschaftlich organisierten Bezirks Reichenbach, welcher durch die dortigen Klosterministerialien aufgezeichnet wurden. Markgraf Diepold III. hat außerdem 1118 alle zum 'locus' Reichenbach gehörigen Lehen, Orte und Weiler dem Kloster übergeben. Auch die Wutzeldorfer, Heimdorfer, Riegertshofer, Dangelsdorfer, Woppmannsdorfer und Roßbacher galten als Dienstmannen des Klosters. In Süssenbach hingegen besaß das Kloster lediglich 1 Hufe (Hof) und nicht den ganzen Ort. Dies geht aus einem Zinsbuch des Klosters Reichenbach hervor.

Schillertswiesen dürfte in der Zeit 8.-11. Jahrhundert entstanden sein. Es wird vermutet, dass die Ortschaft aus Rodungsgassen entstanden ist.
Urkundlich bekannt ist ein Verbindungsweg des Mittelalters von Roding nach Regensburg. Bis zum 18. Jahrhundert finden sich wenig Aufzeichnungen und Niederschiften um den wenig bekannten Ort 'Scillingswisen'. In den damaligen Landtafeln (heute: Landkarten), die aus dem 16. Jahrhundert stammen, war Schillertswiesen zwischen 'Siessenbach und Merthens Neukh' (heutiges Martinsneukirchen) lediglich als kleiner Kreis eingetragen. Im Jahre 1648 soll die schwedische Reiterstaffel in Richtung Falkenstein durchgezogen sein.

Um 1861 kam wieder eine urkundliche Nennung vom heutigen Schillertswiesen. Am 1. Januar 1880 wurde das Landgricht Falkenstein aufgelöst und Arrach, Au, Falkenstein, Michelsneukirchen, Unterzell und Schillertswiesen dem Bezirksamt Roding zugeteilt. Im Juli 1971 wurde Schillertswiesen eine eigenständige Gemeinde.
Die ersten Bürgermeister waren Alois Hahn (01/1900 - 12/1905), Georg Niebauer (01/1906 - 12/1911) und alois Dummer (01/1912 - 12/1924). Vom Januar 1925 bis Oktober 1945 war Josef Schiegl (der damalige Schuhmacher) erster Bürgermeister der Gemeinde. Unter dem Einfluss der Besatzungsmacht der Amerikaner und dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Gemeinde Schillertswiesen aufgelöst und der noch selbstständigen Gemeinde Martinsneukrichen zugeordnet. Dies geschah im Zeitraum von 1945 bis 1948 unter Bürgermeister Niebauer aus Neuhofen.

In einem Brief an den Rodinger Landrat im November 1946 wurde durch den Ex-Bürgermeister von Schillertswiesen Einspruch gegen die Eingliederung zu Martinsneukirchen eingelegt. Die Übergabe eines Geldbetrages und die schlechte Weganbindung an Martinsneukirchen waren nur einige Gründe. Erwähnt wurde auch noch, dass Schillertswiesen alle Voraussetzungen und über alle Einrichtungen verfüge, die notwendig für eine Gemeinde sind.
Durch diese Bürgerinitiative wurde Schillertswiesen wieder eine selbstständige Gemeinde und die Unterlagen wurden per Roßfuhrwerk wieder heimgeholt. Die Belange der Schillertswiesener und der Feuerwehr wurden trotz der Gemeindezusammenlegung vom Martinsneukirchener Bürgermeister unterstützt.
Als erster Nachkriegsbürgermeister der Schillertswiesener wurde Johann Dummer gewählt. Er besetzte dieses Amt vom Mai 1948 bis Mai 1966. Mit Erfolg leitete er das Werben um das Grundstück für das heutige Feuerwehrhaus.
Als Nachfolger wurde im Mai 1966 Richard Kulzer zum Bürgermeister gewählt. Während seiner Amtszeit wurden Wasserleitungen gebaut, Kanalanschlüsse errichtet und der Ausbau der Gemeindestraßen vorangetrieben.
Schillertswiesen wurde am 1.Juli 1971 der Gemeinde Zell zugeordnet. Mitterfeldhof, Hohenrad, Oberpoign, Sallach, Seigenbach, Starzenbach, Steinshofen, Unterpoing und Wirthswies gehörten damals zu Schillertswiesen. Trotz dieser Zusammenlegung wurde Richard Kulzer als Schillertswiesner zum ersten Bürgermeister der Gemeinde Zell.
1978 wurden die Gemeinden Zell und Wald zu einer Verwaltungsgemeinschaft zusammengeschlossen.

Die Schillertswiesener hatten nie ein Schulhaus oder eine Kirche. In Martinsneukirchen war beides vorhanden, daher mussten sich die Schüler und die Bürger in die Nachbarortschaft begeben. Seit die Schulen in Beucherling und Martinsneukirchen Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre geschlossen wwurden, ein Schulverband mit der Gemeinde Wald gegründet wurde, begeben sich die Schüler nach Zell.

Handwerkliche Betriebe gab es auch in Schillertswiesen. Aus dem Jahre 1905 liegt ein Schulzeugnis des geprüften Hufschmieds Josef Wildenauer aus Schillertswiesen vor. Diese Schmiede betrieb Familie Wildenauer, später dann die Familie Forster. Bis 1950 wurde in dieser Schmiede gearbeitet. Außer der Schmiede gab es die Wagnerei der Familie Dummer, die den Betrieb 1936 einstellte. Im Anwesen Fisch gab es ebenfalls eine Wagnerei/Schreinerei. Die moderne Landwirtschaft hinterließ ihre Spuren. Konrad Senft fuhr in diesen frühen Jahren schon einen Mähdrescher. Eine Sattlerei wurde Adolf Riederer betrieben. Die Schlosserei und Schmiede von Andreas Baumer sen. ist aus dieser Zeit bis heute als einzige erhalten geblieben.
Das in den dreißiger Jahren gegründete Baugeschäft von Berhard Spitzer in Gfäll wurde 1968 von Adolf Spitzer übernommen. Im Jahr 2000 zählt die Firma cirka 20 Mitarbeiter und wird in der dritten Generation von Berhard Spitzer geführt.
Die Gründung der Zimmerei Richard Weber jun. zeigte 1985, dass Schillertswiesen ein lebhafter Ort ist. Im Herbst 1987 eröffnete Brigitte Adelhoch ihr Haarstudio. Das Jahr 1988 brachte gleich 2 Fuhrunternehmer hervor. Im Frühjahr hieß der Gründer Eduard Fichtl und im Sommer des gleichen Jahres war es Adolf Reitmayer. Die Bauspenglerei Traidl und Höcherl gibt es in Schillertswiesen seit März 1995. Im Jahr 1997 eröffnete Konrad Senft sein Planungsbüro. Auch eine Tierarztpraxis gibt es bei uns seit einigen Jahren. Zuletzt wurde im Jahr 2001 der Betrieb Zweirad-Technik Dummer gegründet.

Mit der 'Dorfkirta' in Schillertswiesen wurde eine alte Tradition 1988 wiedergeboren. Bis heute wird dieser alte Brauch fortgesetzt und unter großer Beteiligung von Ortsbevölkerung angenommen.
Im Sommer 1999 wurde mit dem Bau einer Dorfkapelle begonnen. Dazu wurde ein Kapellenverein im Herbst des selben Jahres gegründet. Durch die Hilfe der Schillertswiesener Mauerer konnte die Kapelle noch im gleichem Jahr fertiggestellt werden. Den kirchlichen Segen erhielt sie am 27. August 2000.